Jenseits des Gardasees: Das Valvestinosee

Jenseits des Gardasees: Das Valvestinosee

Den Gardasee kennt jeder, kaum einer jedoch den westlich gelegenen Lago di Valvestino in der Provinz Brescia. Dies ist einerseits kein Wunder, denn der Valvestinosee liegt abgeschieden inmitten der lombardischen Berge, andererseits schade, denn es handelt sich um ein Kleinod.

Das Valvestinosee ist ein künstlicher See, der durch die Errichtung einer Staumauer, des Valvestino-Damms, entstanden ist. Der 124 Meter hohe Damm dient der Stromerzeugung und wurde 1962 eingeweiht. Im langgestreckten See werden bis zu 52 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten, das Elektrizitätswerk in San Giacomo produziert jährlich etwa 80 Gigawattstunden - genügend Strom für eine ganze Kleinstadt! Noch heute zeugen Ruinen entlang des Seeufers von der Vorgeschichte des Tals, dass anlässlich der Flutung des Stausees verlassen werden musste.

Es ist aber nicht allein die Ingenieursleistung, die verblüfft. Vielmehr ließ der Staudamm eine unvergleichliche Landschaft entstehen, die in vielerlei Hinsicht den norwegischen Fjorden ähnelt. Der See liegt inmitten einer Berglandschaft auf 700 Metern über dem Meer. Er ist von zahlreichen Tausendern umgeben, so zum Beispiel dem Monte Palott (1.369 Meter) im Norden und dem Monte Pracalvis (1.164 Meter) im Süden. Die Vegetation ist üppig und wechselt zwischen mediterran und alpin: Neben Olivenbäumen und Oleander finden sich Buchen und Eichen in den höheren Lagen. Gerade die Vielfalt von Flora und Fauna macht die Gegend äußerst reizvoll. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann entlang des Sees weiter in die lombardische Bergwelt vordringen und kleine Dörfer erkunden, bevor er an den Gardasee zurückkehrt.

Trotz ihres Zaubers und trotz des nahegelegenen Naturschutzgebiet Gardesana Occidentale ist die Landschaft touristisch jedoch noch kaum erschlossen und bleibt ein Geheimtipp. Gleichwohl lässt sich der See mühelos erwandern oder mit dem Mountainbike erkunden. Die Strada Provinziale 58 führt entlang des gesamten Sees, so dass alle Bereiche des schluchtartigen Taleinschnitts leicht zugänglich sind. Doch schon der Weg hinauf lohnt sich: Dieser führt über zahllose Serpentinen zunächst auf Pass von von Idro, von wo aus sich atemberaubende Aussichten auf die Berge ergeben. Im Hochsommer ist es am Valvestinosee bedeutend weniger heiß als an den Ufern des Gardasees. Warum also nicht eine der Badebuchten aufsuchen und einen erfrischenden Tag in den Bergen verbringen?

Von Gargnano am Gardasee sind es keine zehn Kilometer bis zur Talsperre. Die Strecke ist äußert kurvenreich, aber auch für geübte Mountainbiker gut zu bewältigen. Belohnt wird man durch hundert Blicke über den Gardasee zur einen und zahlreiche Gipfel zur anderen Seite.



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